Erfahrungsbericht über unsere Reise nach Togo mit Projekt West-Afrika e.V. vom 14.2.2011 bis 15.3.2011
Wir haben unseren Bericht in drei Teile aufgeteilt, die unsere Arbeit im Krankenhaus, andere Projekte und Hilfsgüter in Togo und unsere Erfahrungen mit der Kultur und Natur Westafrikas beschreiben.
1. Das Centre Hospitalier Universitaire Tokoin (C.H.U.T.)
Immer wieder erleben wir seit unserer Rückkehr die Situation, dass uns Freunde, Bekannte und auch Ärzte auf unsere einmonatige Tätigkeit, die Arbeitsbedingungen und Zustände im Universitätsklinikum Lomé, dem C.H.U.T. ansprechen.
Und immer wieder fällt es schwer, einen plastischen Bericht der Eindrücke, die wir dort sammeln konnten, wiederzugeben.
Der erste Kontakt zum Krankenhaus wurde an einem Einführungstag hergestellt. Hier begrüßte uns formell die Krankenhaus- und Pflegedienstleitung, anschließend führte uns unser Projektleiter durch das Haus.
Die Aufteilung wer auf welcher Station arbeiten solle, hatten wir schon im Rahmen des Vortreffens in Deutschland geregelt.
Also bekam jeder seine Station gezeigt und wurde, wenn Ärzte oder die Stationsleitung anwesend waren, was auch im weiteren Verlauf höchst selten zutraf, kurz vorgestellt. Vom nächsten Tag an waren wir dann auf uns alleine gestellt.
Zusammen mit vier anderen Gruppenmitgliedern hatte ich mich für den Dienst auf der chirurgischen Notaufnahme und für den traumatologischen OP gemeldet.
Unsere praktische Tätigkeit bestand auf ersterer hauptsächlich im Wechseln von Verbänden, oder dem Nähen kleinerer Wunden unter Aufsicht eines Arztes. Vom ersten Moment an mussten wir erkennen, dass wir eventuell vorhandene idealistische Vorstellungen (à la: ich habe bisher eine gute Ausbildung genossen, also fahre ich nach Afrika und helfe Leuten denen es viel schlechter geht als zu Hause, nebenbei kann ich noch sehr viel dazulernen) ganz schnell über Bord werfen mussten.
Nur etwa 5% der Togolesen sind derzeit krankenversichert. Das heißt, wer ins Krankenhaus kommt, muss erst einmal alles zu seiner Behandlung Benötigte in der hauseigenen Apotheke kaufen. Erst dann wird er versorgt. Somit war die Eingangsfrage eines jeden Arztes oder Pflegers beim Erstkontakt mit dem Patienten nicht etwa: Wie kann ich Ihnen helfen?, sondern: Haben Sie Geld?
Diese Regelung gilt gleichermaßen für den Patienten der "nur" mit einer ausgekugelten Schulter in die Notaufnahme kommt, als auch für den verunfallten Motorradfahrer mit mehreren Knochenbrüchen der in Lebensgefahr schwebt und eigentlich eine schnellstmögliche Behandlung bräuchte. Glück hat der Patient in dieser Situation wenn er in Begleitung von Angehörigen erscheint, die schnell alles Nötige kaufen können; Pech hat er, wenn er entweder keine Familie hat, gerade niemand erreichbar ist, oder er aus einem anderen Teil des Landes stammt und Nichts in der Tasche hat. Kein Geld, keine Behandlung.
Selbst wenn sich einer der Ärzte über diese Regel hinwegsetzen wollte, eine Bereitschaft die wir in unserer Zeit nicht ein einziges Mal beobachten konnten, hätte er keine Möglichkeit zu helfen, da außer in der Apotheke Material, angefangen von Handschuhen über Verbände bis hin zu Zugängen, Infusionen oder Nahtmaterial, schlichtweg nicht vorhanden ist.
Ein Patient hat zwar die Möglichkeit, einen Antrag auf Sozialhilfe zu stellen um kostenlos behandelt und versorgt zu werden, dies braucht allerdings Tage. Wertvolle Zeit geht so verloren, im schlimmsten Fall stirbt der Patient in der Zwischenzeit unbehandelt auf dem Gang unter aller Augen.
Vor diesem Hintergrund veränderten wir unsere Arbeit mehr und mehr hin zu organisatorischen Dingen. Nämlich dahingehend, dass wir, sobald ein Patient mit dem im Übrigen kostenlosen Rettungsdienst in die Notaufnahme gebracht wurde, mit ihm sprachen, ihn untersuchten, für ihn zur Apotheke liefen, versuchten seine Angehörigen zu informieren, einem Arzt über seinen Zustand berichteten, einfach probierten ihn so schnell wie möglich seiner Behandlung zukommen zu lassen.
Doch selbst wenn im Idealfall genug Geld für eine optimale Diagnostik und Behandlung gezahlt wurde, hieß es noch lange nicht, dass diese auch zeitnah stattfand.
Denn hier zeigte sich ein weiterer Schwachpunkt im System: Mangelnde Kommunikation unter den Ärzten, zum Pflegepersonal und das oft vollzogene Weiterreichen von Arbeit.
So möchte beispielsweise Arzt A vor einer aufwendigeren Behandlung die Meinung von Arzt B hören, tut das allen kund, nur informiert den betreffenden Kollegen nicht.
Irgendwann sieht Arzt B dann nach Stunden doch den Patienten, berät sich mit Arzt A und beide entschließen sich, dass der Fall Arzt C zu zutragen sei, da er nicht in ihre Kompetenz falle. So geht die Prozedur wieder von vorne los und wieder wird wertvolle Zeit verschwendet.
Ein weiteres Beispiel aus dem OP: der narkotisierte Patient liegt auf dem OP-Tisch, alles ist, soweit möglich, steril abgedeckt und bereitgestellt, Anästhesisten und OP-Personal sind vollzählig versammelt, nur der Operateur fehlt. Also wartete man zwei (!) Stunden tatenlos auf selbigen, bis von irgend woher die Nachricht kam, dass es Probleme mit dem OP gäbe und der Operateur sich daraufhin entschlossen habe, heute nicht zu erscheinen, natürlich ohne vorherige Information der Kollegen.
Zu diesen Grundproblemen kommen schwierige hygienische Verhältnisse sowohl im Krankenhaus selbst als auch außerhalb. Das jemandem mit einer hoch komplizierten Wundinfektion nicht geholfen ist, wenn man einmal die Woche seinen Verband wechselt, die Wunde spült und ihn in der Zwischenzeit wieder nach Hause schickt, wo er nicht die Möglichkeit hat den Verband sauber zu halten, liegt auf der Hand.
So mussten wir mehr als einmal feststellen, dass unsere Arbeit wenn überhaupt nur einen Tropfen auf den heißen Stein bedeutete.
Auch der Umgang mit den Patienten ist aus meiner Sicht fragwürdig. Wenn ein kleines Kind mit höhergradig verbrannten Handinnenflächen während des Verbandswechsels vor Angst und Schmerz anfängt zu weinen und es vom Pfleger angeschrien wird, es solle sich nicht anstellen und endlich still sein, fragt man sich schon wo man gelandet ist.
Doch zwischen diesen teils niederschmetternden Eindrücken gab es auch Lichtblicke.
Ganz besonders ist mir hier ein junger Oberarzt der Traumatologie in Erinnerung geblieben. Studiert und einige Zeit in Frankreich tätig, hat er sich dazu entschlossen, in seine Heimat zurückzukehren. Er wusste von den schlechten Arbeitsbedingungen in Togo einerseits, andererseits kannte er die in Westeuropa üblichen Standards, ganz abgesehen von den viel besseren Verdienstmöglichkeiten. Trotzdem lehrt er am C.H.U.T. unermüdlich junge Ärzte an und versucht im kleinen Rahmen Abläufe zu verbessern. Wir haben einige Male im OP mitbekommen wie er fast
verzweifelt ist, wenn wieder einmal zu wenig Material am Tisch war, sein Assistent nicht erschienen ist, er während der OP improvisieren musste oder alles wieder viel zu lange dauerte. Und doch ist er davon überzeugt, etwas dauerhaft bewegen zu können. Soviel Idealismus und die Kraft sich diesen Tag für Tag zu bewahren hat mir sehr imponiert.
Die Eindrücke die ich im Krankenhaus gesammelt und die Zeit die ich dort verbracht habe, werde ich für immer in mir tragen.
So desillusionierend auch manches Erlebnis zum Zeitpunkt des Erlebens war, so wertvoll wird es später für mich und jeden Einzelnen von uns sein.
Eigene Sorgen werden sehr klein vor geschildertem Hintergrund erscheinen. Die Arbeitsbedingungen in Deutschland, die so oft gescholten werden, wird man unglaublich zu schätzen wissen. Ein Gesundheitssystem, dass es jedem ermöglicht sofort behandelt zu werden, wirkt nun auch nicht mehr so selbstverständlich.
Und nicht zuletzt wird man in Zukunft versuchen, seine Patienten so aufmerksam und so gut wie möglich zu behandeln.
2. Hilfsgüter und einige Beispiele für unsere Projekte in Togo
Insgesamt nahmen wir fast 500kg Hilfsgüter, verpackt in 23 Kartons und Koffer im Flieger mit nach Lomé. Darunter waren vor allem Medikamente, Verbandsmaterialien und Blutabhnahmesets. Neben den medizinischen Hilfsgütern packten wir noch Spiel- und Malsachen für die Kinder ein.
Des Weiteren schickte unser Projekt einen 40 Ft-High-Q Schiffscontainer voller mit: (2 elektrische Kreißsaal Betten, 28 Kinderbetten, auf Rollen mit Matratze, Korbherausnehmbar, 10 Krankenstationbetten, 1 Mammographie Gerät, 30 Nachschränke für die Betten mit Zubehör, 3 Untersuchungsliegende Betten, 105 Packte Sterile Handschuhe, 20 Karton von Kompress, 8 Krankenhaus Speise Schrank mit Zubehör, 1 Ultraschallgerät, 10 Gehhilfe, 15 Rollstühle, 300 OP-Besteck, 8 Verpackte Computer mit Zubehör, 1 Instrumenten Sterilisation Kammer, 220 Karton mit Kleidung und Spielzeug etc.) wert von 21500 Euro auf den Weg nach Lomé. Diese Betten, die wir wegen verlängerter Zollkontrollen leider nicht mehr von uns selbst sondern von unseren Projektpartnern vor Ort entgegengenommen werden, sind für das Gesundheitszentrum eines Dorfes im Norden von Togo bestimmt. Während unseres Aufenthaltes in Togo besuchten wir das Dorf bereits um vor allem Verbandsmaterialien und andere medizinische Güter zu bringen. Unser Projekt hat dieses Dorf erst letztes Jahr mit ins Programm genommen um das örtliche Gesundheitszentrum, in dem eine Hebamme und ein Krankenpfleger die Basisversorgung der Dorfbewohner übernehmen, weiter auszubauen. Wir wurden ausführlich in die Arbeit dieses Gesundheitszentrums eingeführt und diskutierten die medizinische Versorgung auf dem Land und die damit verbundenen Probleme. Bei unserem Besuch wurden wir herzlich und freudig mit Tänzen und vielen Gesängen begrüßt. Es war immer wieder toll für uns zu erleben wie viel Lebensenergie und Temperament die Afrikaner doch in ihren Tänzen und Gesängen zum Ausdruck bringen. Es verging kein einziger afrikanischer Tanz bei dem wir nicht selbst zum Tanzen aufgefordert wurden.
Dieses Dorf ist nur ein Beispiel unzähliger Projekte, die wir dort unterstützt haben. Beeindruckend war für uns auch der Besuch in einem Leprazentrum in der Nähe von Kpalimé. Dieses Dorf wurde ursprünglich von ausgestoßenen Lepraerkrankten gegründet und umfasst heute knapp 200 Bewohner, von denn aktuell ca. 50 an Lepra erkrankt sind. Die Dorfgemeinschaft hat einen eigenen Kindergarten und ein Gesundheitszentrum in dem auch eine Hebamme und ein Pfleger arbeiten. Doch auch hier mangelt es vor allem an Antibiotika. Wir haben diesem Zentrum viele Medikamente gebracht und auch 2 Kartons voller Spielsachen. Es leben viele Kinder in diesem Dorf, die unter sehr armen Bedingungen aufwachsen. Als wir unsere mitgebrachten Spielsachen an die Kinderschar verteilt haben, haben sich die Kleinen riesig gefreut. Die Kinder haben so darum gekämpft selbst auch ein Spielzeug zu bekommen, dass wir teilweise ein bisschen Angst bekommen haben in dem ganzen Kindergedränge.
Eine ähnliche Situation hatten wir auch auf der Baustelle zu unserem Waisenheim, was unser Projekt in der Nähe von Lomé erbaut. Wir haben die Baustelle besucht und auch einen Tag aktiv am Aufbau mitgearbeitet um die örtlichen Arbeiten zu unterstützen. Dieses Waisenheim soll einmal 100 Weisen ein neues Zuhause geben. In der Nähe befindet sich eine Grundschule, dessen Schüler schnell von unserer Anwesenheit mitbekamen und uns besuchten. Auch hier verteilten wir Luftballons und Kugelschreiben, was nicht nur Lächeln auf die Kindergesichter zauberte sondern auch wieder in einem Riesengedränge endete.
Das sind nur einige Bespiele von unsere Arbeit vor Ort. Während unseres Aufenthaltes haben wir viele Partner vor Ort besucht und viele Hilfsgüter verteilt. So konnten wir viele Kinderaugen strahlen lassen und mit unseren medizinischen Hilfsgütern einigen Gesundheitszentren vor Ort mit Materialien ausstatten. Doch uns allen ist auch klar, dass die Hilfe vergänglich ist und wir unsere diese Orte noch viele weitere Male besuchen müssen um Spenden zu bringen.
3.Ausflüge und Freizeit
« Yovo! Yovo! Bonsoir, ca va bien, merci! »
Immer noch klingen mir die Rufe der Kinder in den Ohren.
Dieses Frage- und Antwortspiel der afrikanischen Kinder hatten wir schnell gelernt. „Yovo!“, was so viel wie „Weiße/r“ bedeutet, riefen sie uns auf der Straße mit neugierigen Blicken hinterher. Manche rannten sogar keck vorbei und tippten unsere vergleichsweise blasse Haut an. Großen Spaß hatten sie auch daran, sich mit uns fotografieren zu lassen, um sich dann erstaunt auf dem Display unserer Digitalkameras ihr Bild anzuschauen.
Doch nicht nur die Kinder begrüßten uns so herzlich, auch viele erwachsene Einheimische musterten unsere Gruppe weißer Studenten, manchmal skeptisch und manchmal verwundert und fragten dann interessiert nach unserem Reise- und Aufenthaltsgrund.
So konnten wir schon bei einem kurzen Spaziergang durch die Hauptstadt Lomé, aber auch in den kleineren Orten in denen wir uns während unserer Ausflüge aufhielten, schnell Kontakt zu den Bewohnern Togos aufnehmen.
Wir ließen uns die Spiele der Kinder auf der Straße erklären oder schauten in die Seitenstraßen und
Hinterhöfe, um mehr über das Alltagsleben der Togolesen zu erfahren.
So entdeckten wir, wie die Frauen ihren Fufu, einen Maisteig, stampfen und die Schneider in winzigen Läden mit den Füßen ihre Nähmaschine anwerfen. Auf dem Markt wird lauthals um den Preis der Mangos gefeilscht, während der Schuster beim Wachsen der Lederriemen geduldig auf Kundschaft wartet.
Dazu mischten sich die für uns neuartigen Gerüche und Geräusche, vom Lärm der ratternden Mofas bis hin zum Pfeifen der Straßenverkäufer, die mit ihren Schnitzereien hinter uns her liefen.
Umso mehr genossen wir es manchmal, Trubel, Abgasen und Müll der Hauptstadt während unserer Ausflüge entfliehen zu können. An den Wochenenden nutzten wir die krankenhausfreie Zeit, um zu den unterschiedlichen Projekten zu reisen und unsere Hilfsgüter zu verteilen. Doch Akoete SODOGAS, der Verantwortliche des Projektes, war es wichtig, dass wir sein Heimatland auch von einer anderen Seite kennenlernen, und so verbanden wir diese Besuche in den unterschiedlichen Einrichtungen mit Ausflügen und Besichtigungen, um mehr über die Kultur und Geschichte Westafrikas zu erfahren.
Unsere erste Reise führte uns nach Benin, wo wir einen großen Schlangentempel besichtigten. Ein Vodoo-Meister führte uns herum und die Mutigsten unter uns durften sich eine Würgeschlange um den Hals legen lassen. Während dieses Ausfluges lernten wir außerdem viel über die Geschichte der Sklaverei: Wir machten einen Halt am „Tor ohne Wiederkehr“. Dies ist ein riesiger weißer, steinerner Bogen am Meer, der an die Verschiffung der Sklaven erinnert. Einen Tag später setzten wir mit dem Kahn nach Ganvie über. Ein Dorf, vollständig auf Holzpfählen erbaut, das als Zufluchtsort der Sklaven entstand, die sich vor der Reise in die westliche Welt noch retten und dort versteckten konnten.
Das folgende Wochenende fuhren wir in den Norden Togos. Es blieb Zeit für eine Besichtigung des Museums des „Père de la Nation“, des ehemaligen, bereits verstorbenen Präsidenten Togos. In diesem Zusammenhang war es spannend, einiges über die politische Entwicklung des Landes, sowie seine Situation in der Kolonialzeit zu lernen.
Bei einer Safari durch den Nationalpark konnten wir dann alle entspannen.
Am meisten hat uns aber der letzte Ausflug nach Kpalimé gefallen. Vorbei an Bananenpflanzen und Palmen bahnten wir uns den Weg zu den Wasserfällen, die etwas entfernt der Stadt liegen. Die Anstrengung lohnte sich und wir genossen die ruhigen Minuten am Ufer des Wasserfalles. Noch am selben Tag erklommen wir den höchsten Berg Togos. Bis zur Spitze schafften wir es leider nicht, es war viel zu heiß für eine ausgedehnte Wanderung! Die Einwohner der Bergdörfer schüttelten schon bei unserem Anblick vor Unverständnis den Kopf.
Doch blieb es nicht nur bei diesen Reisen am Wochenende, auch unter der Woche blieb hin und wieder Zeit, nach der Arbeit im Krankenhaus die westafrikanische Lebensweise und Kultur kennen zulernen. So überraschte uns Akoete SODOGAS mit einer Aufführung des togolesischen Staatsballetts. Es wurden die unterschiedlichsten traditionellen Tänze aufgeführt und natürlich mussten wir anschießend, zur Belustigung der einheimischen Zuschauer, mittanzen.
Einen anderen Nachmittag verbrachten wir auf dem Voodoo- und Fetischmarkt. Wir waren einerseits fasziniert aber auch gleichzeitig erschrocken über diesen Kult mit seinen Talismanen und Tieropfern, den immerhin ein Drittel der Bevölkerung in Togo praktiziert.
Bei einem Volleyball-Turnier trat unser Team des Projektes leider chancenlos gegen ein Team des Krankenhaus, des Roten Kreuzes sowie der Feuerwehr von Lomé an. Umso mehr tanzten wir anschließend zu der Trommelmusik der Band der Feuerwehr. Die Musik und Trommeln dürfen bei keinem Ereignis fehlen. Sei es bei einem Empfang in einem Dorf oder abends auf der Straße. Wir schlossen uns den Einheimischen an, klatschten und wackelten noch etwas befangen mit Schultern und Hüften!
Wir alle hatten immer sehr großen Spaß an den Ausflügen, die hauptsächlich durch Akoete SODOGAS geplant und geleitet wurden. Es war eine einzigartige Möglichkeit die Kultur und die Menschen des Landes kennenzulernen, da wir mit Akoete SODOGAS einen einheimischen Führer an unserer Seite hatte, der geduldig alle unsere Fragen beantwortete und uns viele Traditionen und Bräuche erklären konnte. Wir denken, dies war das Besondere an unserem Projekt: Wir haben nicht nur im Krankenhaus gearbeitet und die zahlreichen Projekte unterstützt, sondern wir haben auch viele Eindrücke außerhalb dieser Einrichtungen sammeln können. Dies erscheint uns umso wichtiger, da wir während unserer Arbeit viel Armut und Leid gesehen und miterlebt haben. Während der Ausflüge konnten wir aber die beeindruckende und abwechslungsreiche Natur von Togo kennenlernen und haben viel über wichtige Abschnitte der togolesischen Geschichte und Politik erfahren. Nicht zu letzt war es die beste Möglichkeit die Gastfreundschaft und Lebensfreude der Einheimischen zu erfahren und ihrer Kultur näher zu kommen.
Für die meisten von uns war es die erste Reise nach Afrika. Wir haben während dieser Zeit viele Erfahrungen gesammelt, positive wie negative. Nach diesem Monat in Togo sind wir sicher, dass wir noch einmal nach Afrika zurückkommen möchten. Wir haben selbst erfahren können, wie wichtig es ist, die Hilfsprojekte in Entwicklungsländern auch vor der Reise inhaltlich zu gestalten und zu fördern.
JOHANNES RÜB (aus Uni. Bochum)




