Bericht über den Austausch nach Togo 2000
03. März bis 24. März 2000
Persönliche Eindrücke und Erfahrungen
Bereits die Anreise vermittelte uns einen Eindruck von der typisch afrikanischen Mentalität, die uns die folgenden drei Wochen in Togo begleitete.
In Afrika bekommt, unseren Erfahrungen nach, Zeit eine völlig neue Dimension, in der kein Platz ist für westeuropäische Hektik und Zeitnot. Diese Umstellung ist natürlich in acht Stunden Flug nicht machbar, und so sahen wir uns nach unserer Ankunft in Lomé und der herzlichen Begrüßung durch die Medizinstudenten mit einer völlig neuen, schrecklichen und gleichzeitig wunderschönen, anfangs unerträglich heißen Welt konfrontiert.
Um die afrikanischen Strukturen, Wertvorstellungen und Hoffnungen wirklich verstehen zu können, braucht es wahrscheinlich ein ganzes Leben - rückblickend sind wir alle sehr dankbar für die Eindrücke, Bilder, Erfahrungen, die wir in der kurzen Zeit geteilten Lebens mit den togolesischen Kommilitonen sammeln konnten.
Ist man an hochtechnisierte, sterile deutsche Krankenhäuser gewöhnt, wird man das, was man im C.H.U. von Lomé antrifft, nicht für möglich halten. Es mangelt an existentiellen Materialien und Medikamenten, an Nadeln, funktionstüchtigem Operationsbesteck, Verbandsmaterial und Handschuhen, die in einem Land mit horrender AIDS-Rate, Patient und Arzt gleichermaßen schützen müssten. Meist wird versucht, aus den minimalen Möglichkeiten das Beste zu machen, aber doch lässt sich eine wohl begründete Frustration auf Seiten der Mediziner dort nicht abstreiten. Was sie in ihrem Studium gelernt haben, können sie allzu oft nicht anwenden; in Togo herrscht seit Jahren ein "Ausnahmezustand", außer dem Militär kann kaum eine Berufsgruppe mit einem gesicherten Einkommen rechnen.
Wegen politischer Unruhen und ständigen Streiks ist an ein Studium, wie wir es als deutsche Medizinstudenten gewöhnt sind, nicht zu denken. In Anbetracht dieser Situation ist uns unsere eigene Privilegiertheit erstmals deutlich vor Augen geführt worden. Auch die Kulturunterschiede, zu denen wohl insbesondere eine noch völlig andere Frauenrolle gehört, hätten sich die meisten von uns anders vorgestellt.
Nach diesem Austausch, der erste aber auch tiefergehende Eindrücke geboten hat, will ein Großteil von uns, auch im medizinischen Kontext, bald wieder nach Westafrika zurückkehren.
Das Programm
Fr 03.03.2000
Abflug vom Flughafen Düsseldorf um 12.15 Uhr, Ankunft in Lomé um 5.00 Uhr morgens nach Zwischenstopp in Rom und Accra.
Sa 04.03.2000
Begrüßung durch die togolesischen Studenten und anschließende Besichtigung der Universitätskrankenhäuser (u.a. C.H.U. – Togo, eines der größten Krankenhäuser in Togo) sowie der Hauptstadt Lomé.
So 05.03.2000
Sortierung der Medikamente. Möglichkeit zur Besichtigung des großen Marktes.
Mo 06.03.2000
Besuch der deutschen Botschaft. Vortrag des Vizebotschafters über die deutsch - togolesischen Beziehungen und anschließende Diskussion um das Thema Entwicklungshilfe. Besuch der Medizinischen Fakultät und Gespräch mit dem Dekan.
Di 07.03.2000
Treffen mit dem Gesundheitsminister. Darstellung der aktuellen Situation im medizinischen Bereich. Besuch des CCF (französisches Kulturzentrum). Tanzvorstellung.
Mi 08.03.2000
1. Praktikumstag im Krankenhaus. Begrüßung durch den Generaldirektor. Besuch beim Roten Kreuz. Vortrag und Diskussion über die Arbeit des Roten Kreuzes.
Do 09.03.2000
2. Praktikumstag. Besuch des Pan- African- Orchestra
Fr 10.03.2000
3. Praktikumstag. Besuch des Fetisch Marktes, traditioneller Voodoo-Markt.
Sa 11.03.2000
Fahrt nach Benin. Besuch des Schlangentempels und der Wasserstadt Ganvie.
So 12.03.2000
Fahrt nach Kpalimé mit Besichtigung der Wasserfälle. Besuch einer Präsidentenresidenz. Essen bei der Familie eines Studenten.
Mo 13.03.2000
4. Praktikumstag. Wechsel der Station. Tanzvorführung von traditionellen afrikanischen Tänzen.
Di 14.03.2000
5. Praktikumstag
Mi 15.03.2000
6. Praktikumstag
Do 16.03.2000
Feiertag in Togo. Freizeit für uns.
Fr 17.03.2000
7. Praktikumstag
Sa 18.03.2000
Fahrt nach Ghana. Besichtigung einer ehemaligen Sklavenburg.
So 19.03.2000
Besuch des Nationalparks in Ghana. Besichtigung des tropischen Regenwaldes.
Mo 20.03.2000
Offizielle Übergabe der mitgebrachten Medikamente (500 kg). Fahrt nach Togoville. Dorfführung und Informationen über Voodoo und Kolonialzeit.
Di 21.03.2000
Individuelle Freizeitgestaltung.
Mi 22.03.2000
Treffen mit dem Vorsitzenden der Nationalversammlung. Offizielle Abschiedsparty und Vergabe der Teilnehmerzertifikate.
Do 23.03.2000
Audienz beim Präsidenten von Togo. Abfahrt aus Lomé.
Fr 24.03.2000
Ankunft in Düsseldorf.




